Man sagt das ja gern mal ironisch, wenn einer nicht in die Gänge kommt: „Jaja, den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“. Vielleicht ist aber manchmal auch eine Spur Neid dabei: Denn solche Leute gibt es ja tatsächlich, denen scheint alles nur so zuzufliegen, ohne dass sie sich groß anstrengen müssen.
„Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“ – diese Redewendung stammt aus der Bibel. Im Psalm 127 heißt es:
„Wenn der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wenn der Herr nicht die Stadt bewacht, so wacht der Wächter umsonst. Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.“ (Psalm 127,2)
Dieser Vers klingt ein bisschen so wie die Idee vom Schlaraffenland, wo die Menschen nur den Mund aufmachen müssen, und schon fliegt ihnen das Essen in den Mund fliegt: Nette Idee – aber so läuft’s halt leider nicht. Geht doch wie im Schlaf? Von wegen! Referat für die Schule, Projektpräsentation fürs Meeting, der Berg Dreckwäsche im Keller – wer soll’s denn machen, wenn nicht wir?
Und auch unsere Kirchengemeinde lebt doch davon, dass Haupt- und noch mehr Ehrenamtliche sich Woche für Woche reinhängen. Was wäre hier los, wenn wir uns alle einfach zurücklehnen würden und Gott einen guten Mann sein lassen?
„Seinen Freunden gibt er es im Schlaf“: Ist das wirklich der Aufruf zum Schlendrian – oder nicht vielmehr ein überlebenswichtiger Ratschlag Gottes für unser Leben und Arbeiten? Der Psalm spricht ja nicht davon, dass menschliche Anstrengung und Arbeit überhaupt unnötig sind. Ein Haus bauen, die Stadt bewachen – das alles sind höchst sinnvolle Tätigkeiten, die gewissenhaft erledigt sein wollen. Es kommt vielmehr auf die Einstellung an, mit der wir etwas tun. Ob wir nämlich meinen, alles Gelingen hängt einzig und allein von uns ab. Oder ob da nicht noch etwas ganz Entscheidendes fehlt: ein bisschen mehr Gelassenheit und Gottvertrauen.
Gerade dann, wenn wir viel zu tun haben, gerade dann tut es doch gut, sich mal in Ruhe hinzusetzen, aufs Sofa, auf die Garten- oder die Kirchenbank. Denn dort sitzt Gott – und er wartet darauf, dass wir uns mal zu ihm dazu setzen, Ruhe geben und ihm zuhören. Und aus dem Zuhören, aus dem Hören auf Gott – da kommt die Kraft, die Weisheit, eben:
Gottes Segen zum Entscheiden und
Machen. Martin Luther (ganz sicher kein Low Performer) hatte gegen Stress ein klares Rezept: „Ich habe heute viel zu
tun – darum muss ich heute viel beten.“ Amen. Pfarrer Moritz von Niedner