„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ Das ist die Jahreslosung für das Jahr 2026. Was für eine Ansage! Und ich frage mich: Alles neu?! Will ich das überhaupt? Ist doch gar nicht so schlecht, das Leben, so wie es ist. Man hat sich ganz gut eingerichtet. Lieber am Gewohnten festhalten, da weiß man, was man hat. Und wer weiß schon, was kommt, wenn „alles neu“ wird. Auf jeden Fall: anders. Das ist schon etwas unheimlich, man könnte es direkt mit der Angst bekommen.
Die Jahreslosung stammt aus der Offenbarung des Johannes, dem einzigen prophetischen Buch im Neuen Testament. Die Christinnen und Christen standen
damals massiv unter Druck, weil sie sich weigerten, den römischen Kaiser als Gott anzubeten. Sie mussten wirklich Angst um ihr Leben haben. Der Prophet Johannes, der sich mit seiner Kritik am Kaiserkult nicht zurückgehalten hatte, war von den Mächtigen schon aus dem Weg geräumt und auf eine einsame Insel verbannt worden. Dort, auf Patmos, hat Johannes eine Vision. Für uns sind die mächtigen, grellbunten Bilder, die er vom Ende der Zeiten zeichnet, zum Teil irritierend und furchteinflößend. Aber eigentlich ist sein Werk ein Ermutigungsbrief an die angefochtenen Christinnen und Christen, die eine große Sehnsucht hatten nach Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden. Ihnen sagt Johannes: Nichts bleibt so, wie es ist! Gott macht alles neu. Er verspricht einen neuen Himmel und eine neue Erde, in der es kein Leid mehr gibt, keinen Schmerz und keinen Tod. Und Gott wohnt mitten unter den Menschen, er ist ihnen ganz nah.
Und das passiert nicht einfach so. Gott spricht – und alles wird neu. Sein Wort ist ja nicht bloß Information, es ist wirkmächtig, schöpferisch, kreativ. Wenn Gott spricht, entsteht etwas Neues. Wie bei der ersten Schöpfung: Gott schafft durch das Wort. „Siehe, ich mache alles neu.“
Den Satz aus der Offenbarung kennen viele vom Friedhof. Eine großartige Zusage, die Vision von Gottes neuer Welt – und gleichzeitig ein so krasser Unterschied zu der abgrundtiefen Trauer und Verzweiflung, die am Grab mit Händen zu greifen ist.
Vielleicht hat ja unsere Angst vor dem Tod auch was damit zu tun, dass wir
lieber das Bekannte festhalten wollen, statt uns auf das Neue einzulassen (was ja durchaus verständlich ist). Die Vision des Johannes übersteigt unsere Vorstellungskraft, weil die an Raum und Zeit gebunden ist. Von der Dimension der Ewigkeit können wir bestenfalls etwas erahnen und nur in Bildern von ihr reden. Wer hat schon eine Vorstellung davon, was uns bei Gott erwartet? Gut möglich, dass es besser als alles ist, was wir uns ausmalen.
Also gibt es eigentlich keinen Grund, Angst zu haben. Denn hier spricht der, der alles in der Hand hat, Zeit und Ewigkeit. Der sagt: Siehe! Schau genau hin! Das Neue ist schon zu erahnen, auch in dieser Welt begegnen sich Himmel und Erde, kommt Gott uns nah.
Alles neu?! Wenn Gott das verspricht, dann wird es auf jeden Fall: anders. Nicht beängstigend oder unheimlich, sondern mit Sicherheit unheimlich gut.